Rauchen und Vapen – was im Körper wirklich passiert
Zigarettenrauch entsteht durch Verbrennung. Dabei werden mehrere tausend Substanzen freigesetzt, darunter zahlreiche krebserregende Stoffe. Teer, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine sind gut untersucht und eindeutig gesundheitsschädlich.Beim Vapen findet keine klassische Verbrennung statt. Eine Flüssigkeit wird erhitzt und als Aerosol inhaliert. Dadurch entstehen deutlich weniger der bekannten Verbrennungsprodukte.
Nach heutigem Kenntnisstand enthält der Dampf von E-Zigaretten weniger bekannte krebserregende Stoffe als Zigarettenrauch. Das ist wissenschaftlich gut belegt.
Weniger bedeutet jedoch nicht unbedenklich.
Woraus besteht der Dampf?
Liquids enthalten unter anderem Trägerstoffe wie Propylenglykol und Glycerin, Aromastoffe sowie – je nach Produkt – Nikotin. Diese Aufzählung ist jedoch nicht vollständig. Beim Erhitzen entstehen zusätzlich thermische Abbauprodukte. Außerdem wird die Flüssigkeit nicht als „reiner Stoff“, sondern als feines Aerosol inhaliert – also als Mischung aus Gasen und mikroskopisch kleinen Flüssigkeitströpfchen. Diese Partikel gelangen tief in die Atemwege.
Hinzu kommen je nach Gerät und Heizsystem weitere Substanzen in Spuren, etwa durch Materialabrieb oder chemische Reaktionen beim Erhitzen. Auch hier gilt: Die langfristigen Effekte einer wiederholten Inhalation sind nicht abschließend untersucht. Aromastoffe sind ursprünglich für den Verzehr entwickelt worden, nicht für die Inhalation in die Lunge. Inzwischen existieren weit über tausend unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Für die meisten liegen keine belastbaren Langzeitdaten zur chronischen Inhalation vor. Nikotin ist der suchterzeugende Stoff – beim Rauchen wie beim Vapen. Für die Entstehung von Krebs ist Nikotin nach aktuellem Kenntnisstand nicht verantwortlich. Die karzinogenen Effekte klassischer Zigaretten entstehen überwiegend durch andere Rauchbestandteile.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Nikotin biologisch unproblematisch wäre. Es wirkt auf das Herz-Kreislauf-System, erhöht Puls und Blutdruck, verengt Gefäße und fördert die Abhängigkeit. Welche Rolle Blutdruck und Gefäßgesundheit langfristig für Herzinfarkt und Schlaganfall spielen, habe ich ausführlich im Beitrag zu Bluthochdruck und Organschäden – warum Eiweiß im Urin ein Frühzeichen sein kann beschrieben.
Nikotinsalze – ein oft unterschätzter Unterschied
Viele moderne E-Zigaretten enthalten sogenannte Nikotinsalze. Diese ermöglichen eine besonders schnelle und effiziente Aufnahme von Nikotin. Die Folge sind rasch ansteigende Blutnikotinspiegel – teilweise vergleichbar mit der Dynamik klassischer Zigaretten. Durch die jederzeitige Verfügbarkeit wird häufig und beiläufig inhaliert. Eine Inhalation dauert nur wenige Sekunden. Das verändert das Konsummuster. Statt klar definierter Zigarettenpausen kommt es oft zu vielen kleinen Inhalationen über den Tag verteilt. Die Lunge bleibt damit regelmäßig exponiert.
Hemmschwelle und Alltagstauglichkeit
Der Dampf riecht weniger intensiv und haftet weniger an Kleidung oder Haaren. Das senkt die soziale Hemmschwelle. Zwischen zwei Terminen, im Auto oder in kurzen Pausen lässt sich unauffällig konsumieren. Gerade diese Niedrigschwelligkeit kann dazu führen, dass insgesamt häufiger inhaliert wird als zuvor geraucht wurde.
Was wir wissen – und was nicht
Gut belegt ist:
Beim Vapen entstehen keine klassischen Verbrennungsprodukte wie Teer.
Die Menge bekannter krebserregender Stoffe ist geringer als beim Rauchen
Nicht ausreichend geklärt ist:
Welche Langzeitfolgen die wiederholte Inhalation der Aerosole hat.
Wie sich chronische Exposition gegenüber Trägerstoffen, Aromastoffen und möglichen Abbauprodukten auf Lunge und Gefäße auswirkt.
Wie hoch das tatsächliche Abhängigkeitspotenzial im Alltag ist.
Die Technik ist vergleichsweise jung. Jahrzehntelange Beobachtungsdaten wie beim klassischen Rauchen existieren nicht.
Einordnung aus hausärztlicher Sicht
Vapen ist weder harmlos noch eine medizinische Empfehlung. Für starke Raucher, denen eine vollständige Abstinenz nicht gelingt, kann Vapen im Einzelfall möglicherweise eine Form der Schadensreduktion darstellen. Ob daraus langfristig ein gesundheitlicher Vorteil entsteht, hängt unter anderem davon ab, ob der Nikotinkonsum insgesamt sinkt – oder lediglich das Konsumformat wechselt. Für Nichtraucher ist vom Vapen klar abzuraten – unabhängig vom Alter.
Nikotin wirkt auf Herz, Gefäße und das zentrale Nervensystem und besitzt ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial. Wer bislang nikotinfrei lebt, würde durch das Vapen keinen gesundheitlichen Vorteil gewinnen, sondern ein vermeidbares Risiko eingehen.
Das Ziel bleibt klar: möglichst keine dauerhafte Inhalation suchterzeugender oder potenziell schädlicher Stoffe.
Hausarzt in Freiburg-Littenweiler
Allgemeinmedizin, Prävention & Ernährungsmedizin
Autor Dr. med. Stefan Rupp 17.02.2026