Mein Herz stolpert manchmal – ist das gefährlich?

Diese Frage höre ich in der hausärztlichen Sprechstunde regelmäßig. Meist wird sie eher beiläufig gestellt – oft am Ende eines Termins.

„Übrigens, mein Herz stolpert manchmal.“

Das Herz schlägt ungefähr 100.000-mal am Tag. Mehr als 30 Millionen Mal im Jahr. Und doch reichen schon einige ungewohnte Herzschläge, um uns spürbar zu verunsichern. Viele Menschen beschreiben ein plötzliches Stolpern im Brustkorb.

Ein kräftiger Schlag – dann eine kurze Pause.

Oft höre ich den Satz: „Ich glaube, mein Herz hat kurz aufgehört zu schlagen.“

Tatsächlich passiert meist etwas anderes.

Was hinter dem Herzstolpern steckt

In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte Extrasystolen.

Das Wort klingt komplizierter, als es ist. Gemeint ist schlicht ein zusätzlicher Herzschlag, der etwas früher auftritt als der reguläre Rhythmus.

Unser Herz schlägt normalerweise in einem gleichmäßigen Takt.

Bei einer Extrasystole entsteht jedoch ein elektrischer Impuls etwas zu früh. Dieser zusätzliche Schlag schiebt sich gewissermaßen zwischen zwei normale Herzschläge.

Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge außerhalb des normalen Herzrhythmus.

Sie kommen bei praktisch allen Menschen vor.

Der Unterschied ist nur: Nicht jeder nimmt sie wahr.

Manche Menschen spüren keinen einzigen dieser zusätzlichen Schläge.

Andere nehmen sie sehr deutlich wahr.

Besonders häufig werden sie bemerkt:

  • abends in Ruhe

  • beim Einschlafen

  • nach Stress

  • nach Kaffee oder Alkohol

  • in Phasen erhöhter Aufmerksamkeit für den eigenen Puls

Warum sich der Schlag so ungewöhnlich anfühlt

Der wahrgenommene „Stolperer“ ist meist nicht der vorzeitige Schlag selbst.

Nach einer Extrasystole folgt häufig eine kurze Pause.

Der nächste reguläre Herzschlag ist dadurch etwas kräftiger – und genau dieser kräftigere Schlag wird gespürt.

Das fühlt sich dann so an, als hätte das Herz kurz ausgesetzt und anschließend besonders stark nachgeschlagen.

Physiologisch ist das jedoch ein ganz normaler Mechanismus.

Warum Herzstolpern oft in Ruhe auffällt

Viele Menschen bemerken Extrasystolen besonders abends oder beim Einschlafen.

Das hat auch mit dem vegetativen Nervensystem zu tun. Dieses Nervensystem steuert unter anderem Herzfrequenz, Atmung und viele unbewusste Körperfunktionen.

In Ruhephasen übernimmt stärker der sogenannte Vagusnerv – der Teil des vegetativen Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration zuständig ist. Der Puls wird dabei langsamer.

Mit der langsameren Herzfrequenz verlängert sich der Abstand zwischen zwei Herzschlägen. Dadurch können zusätzliche Impulse leichter „dazwischenrutschen“. Extrasystolen werden dann häufiger wahrgenommen.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt:

In ruhigen Momenten richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf den eigenen Körper. Dinge, die tagsüber gar nicht auffallen würden, werden plötzlich spürbar.

Herzstolpern und Stress

Auch Stress und innere Anspannung können Herzstolpern begünstigen.

Unter Stress aktiviert der Körper das sogenannte Sympathikus-System, einen Teil des vegetativen Nervensystems, der den Körper in eine Art Alarmbereitschaft versetzt. Puls und Aufmerksamkeit steigen, der Körper ist auf Aktivität eingestellt.

In solchen Phasen können einzelne Extrasystolen leichter auftreten oder stärker wahrgenommen werden.

Viele Menschen erleben deshalb Herzstolpern besonders in Zeiten erhöhter Belastung – etwa bei beruflichem Stress, Schlafmangel oder innerer Unruhe.

Extrasystolen sind fast immer harmlos

Bei herzgesunden Menschen sind gelegentliche Extrasystolen fast immer harmlos.

Sie gehören gewissermaßen zum normalen elektrischen Verhalten des Herzens. Viele Menschen haben solche zusätzlichen Herzschläge, ohne sie überhaupt zu bemerken.

Viele Faktoren können Extrasystolen begünstigen:

  • Stress und innere Anspannung

  • Schlafmangel

  • Koffein

  • Alkohol

  • Infekte

  • hormonelle Veränderungen

Manchmal treten sie auch einfach ohne klaren Anlass auf.

Wann man genauer hinschauen sollte

Trotzdem lohnt sich eine ärztliche Einordnung, wenn Herzstolpern häufiger auftritt oder verunsichert.

Besonders dann, wenn zusätzlich Beschwerden auftreten wie:

  • Schwindel

  • Luftnot

  • Brustschmerzen

  • Ohnmacht

  • deutliche Leistungsminderung

Auch sehr häufige Extrasystolen können Anlass sein, genauer hinzusehen.

In der hausärztlichen Praxis helfen meist schon einfache Untersuchungen weiter, zum Beispiel:

  • ein Ruhe-EKG

  • ein Langzeit-EKG

  • eine Ultraschalluntersuchung des Herzens

Damit lässt sich in den meisten Fällen gut einordnen, ob es sich um harmlose Extrasystolen handelt oder ob weitere Abklärung sinnvoll ist.

Wahrnehmung und Bedeutung sind nicht dasselbe

Ein interessantes Phänomen ist, dass die Stärke der Wahrnehmung wenig über die medizinische Bedeutung aussagt.

Manche Menschen spüren einzelne Extrasystolen sehr deutlich – obwohl das Herz vollkommen gesund ist.

Andere bemerken selbst häufige Rhythmusstörungen kaum.

Deshalb ist es sinnvoll, das Gefühl ernst zu nehmen, aber gleichzeitig ruhig einzuordnen.

Nicht jedes Stolpern ist ein Problem.

Fazit

Herzstolpern gehört zu den häufigen Fragen in der hausärztlichen Praxis.

In den meisten Fällen stecken harmlose Extrasystolen dahinter – zusätzliche Herzschläge, die praktisch bei jedem Menschen vorkommen können.

Wenn sie neu auftreten, häufiger werden oder verunsichern, lohnt sich eine ärztliche Abklärung.

Oft lässt sich dann schnell Entwarnung geben.

Und genau das ist für viele Patientinnen und Patienten am Ende die wichtigste Nachricht.

Autor: Dr. med. S. Rupp

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